“Wir werden ihnen unsere Zeichen sehen lassen an den Horizonten und in ihnen selber, damit (bis es) ihnen klar wird, daß es (die Offenbarung) die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, daß dein Herr über alles Zeuge ist?” Sura Fusilat (41) verse 53

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Das traditionelle Verständnis vom Menschen

Die traditionelle Sichtweise unterscheidet drei Aspekte des Menschen: Geist, Psyche (einschließlich unsere üblichen Denkeprozesse) und Körper. Im Islam heissen sie Ruh, nafs und jism. Unsere Psyche (einschließlich unsere unterbewussten Begierden, unser Ego und unsere Denkprozesse) ist notorisch instabil (leicht ändert sich was wir zu einem bestimmten Zeitpunkt denken oder fühlen), und was schlimmer ist, sie kann nicht die Gesamtheit unseres menschlichen Wesens beschreiben.

Aber Wahrheit, Gerechtigkeit und viele andere Werte (nicht zuletzt, die Notwendigkeit unseren Weg im Dschungel des Lebens finden zu können) können nicht (und dürfen nicht) von unseren Gefühlen oder persönlichen Meinungen abhänging sein. Es muss eine externe und objektive Bezugsquelle für Kriterien geben, die man anfrufen kann und die den Anforderungen des Denkens entsprechen.

In der modernen Welt hat es unglücklicherweise eine Veränderung und Verleugnung dieser uralten Weisheit gegeben. Ein Befürworter des Dualismus von Körper und Geist war Decartes*. Für ihn war jegliche Wirklichkeit umfasst und begrenzt durch das, was er "res extensa" nannte (sinngemäß was Ausdehnung hatte und daher messbar war) und der "res cogitans" (worüber man nachdenken konnte). Die traditionelle Welt hat jedoch eine andere Perspektive, die der Einheit und Transzendenz. Was uns anbelangt, bleiben wir in unserem modernen Selbstverständnis stecken und weigern uns hartnäckig, andere Alternativen zu beachten.
*siehe auch: R Guenon: "Descartes limited intelligence to reason"


Religionen oder Glaubenssysteme?

Das Bekenntnis der (Post-)Moderne ist jedoch, "alle Religionen und Glaubenssysteme als gleichwertig" anzusehen. Auf einer praktischen, oder persönlichen Ebene könnte dies sinnvoll sein, was für den einzelnen "funktioniert" wird als akzeptabel angenommen.

Die Psyche (Seele) & die Gedanken oder Überzeugungen einer Person sind "gleichwertig" jeder anderen Person - so scheint es jedenfalls. Gleichzeitig sind die Menschen wirklich davon überzeugt, die Welt, und vor allem den Menschen perfekt gestalten zu können. Dies ist aber eine sekuläre, utopische Vision, die das Prinzip der Gloria Dei - Ehre Gottes - mit dem des Homo Mensura - des Menschen als Maß aller Dinge ersetzt hat.

Ein "Glaubensystem" hingegen basiert auf dem, was jemand des Glaubens würdig dünkte und es annahm, weil das "kollektive Unbewusstsein" der herrschenden Gesellschaft es für akzeptabel hält.

Eine echte Tradition oder Religion beruht jedoch auf einer Offenbarung, dh. auf einem Kodex, einem Kultus und Glaubensbekenntnis, die fest (nicht starr!) und außerhalb des eigentlichen Individuums stehen. Sie hat ihren Mittelpunkt in der "Anbetung Gottes, so wie sie in der formalen Religionsausübung zum Ausdruck kommt - im Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes."

Auf einer praktischen Ebene ist es klar, dass man sein Leben im Körper, in der Psyche oder im Geist zentrieren kann. Letzterer verlangt natürlich, dass wir nicht tun "was uns gefällt", sondern "was uns obliegt."

Vom metaphysischen Standpunkt aus gesehen bedeutet hingegen die Wahl, unser Leben in unserer Psyche zu zentrieren, uns die Fähigkeit beizumessen, das Wahre und Unwahre erkennen zu können. Uns selbst zum Ausgangspunkt der Wahrheit zu erheben, ist jedoch die größte Form des Götzendienstes, denn daß "wir nicht dienen werden," dass wir uns selbst Götter sind, ist letztendlich nichts anderes als der Hochmut der Hybris.


Der Innere Krieg

Die traditionelle Psychology behauptet, daß der Mensch auch noch ein inneres oder höheres Selbst besitzt. Dies ist der Geist, oder der Intellekt, im Hinduismus "die Quelle der Atemzüge" oder Atman, oder das arabische Ruh.

Die traditionelle Perspektive geht weiterhin davon aus, dass sich der gewöhnliche Mensch "im Krieg mit sich selbst" befindet, weil eben diese beiden (das instabile "selbst" / "Ich" mit dem höheren "Selbst" / "Geist") in Konflikt sind, und die wahre Vernunft oder Ganzheit letztlich nur in einem Heiligen zu finden ist, dessen beiden Seiten zu einer "Einheit" geworden sind.
see also: On The Doctrine Of Non-Duality

Die Tradition (hier: St. Thomas Aquinas) deutet darauf hin, dass Friede und Glück nur Resultat eines geordneten Leben sein können, dh. dass Geist, Psyche und Körper richtig geordnet werden müssen - jede Abweichung von der Hierarchie ist mangelhaft. Das ist die Selbstkontrolle, die wir meinen.

Die Tatsache, dass der Mensch mit einem Intellekt begabt ist, (das Organ zur Erkenntnis der Wahrheit) ist nahezu vergessen. Glaubenssysteme die sich auf die Psyche stützten, haben nur selten eine feste Moral, mit der sie sich zB. schädlichen oder infernalen Einflüssen stellen könnten. Ihre moralische Richtlinien basieren auf der öffentlichen Meinung.


Das göttliche Licht

Light Of The Divine

Das Licht des Absoluten ist wie ein "göttlicher Strahl" der mit dem Licht (Intellekt) der menschlichen Seele zusammentrifft, und als solche ist es der endgültige Zeuge von allem Geschehen, sei es auf der Ebene des Geistes oder der Psyche. Wichtig dabei ist, dass es die individuelle Subjektivität transzendiert, da wir ansonsten immer dazu neigen wie "durch ein dunkles Glas" zu blicken.

Bücher:
Charles Upton; The System of Antichrist
R Guenon; The Crisis of the Modern World

Arabic Pattern
Die Wurzeln der islamischen Tradition sind Koran & Sunnah


Proteste

Den Menschen auf die Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber den Geboten Gottes zuzuführen, weckt sofort die Proteste derer, die das individuelle Denken als frei erklären und keiner äusseren [oder transzendenten] Autorität unterworfen. Sie bestehen darauf, dass alle Angelegenheiten dem menschlichen Denken unterliegen, das frei sei alles selbst entscheiden zu können. (siehe: Decartes)

Wären Körper und Psyche die einzigen Bestandteile des Menschen, könnten die Proteste gültig sein, denn das Denken und der Körper einer Person kann unbedingt nicht mehr Autorität erheischen als eines anderen.

Gefahren

Eine Gefahr besteht darin, sich auf das - vom Geist abgeschiedene - menschliche Denken (Psyche) zu verlassen, wenn es darum geht, die Wirklichkeit zu verstehen. Das menschliche Denkvermögen wird leicht verzerrt, "wir blicken durch ein trübes Glas." Zwar is unser Intellekt fähig Wahrheit und Wirklichkeit zu begreifen, er wird jedoch durch unsere Leidenschaften und persönliche Auffassungen entstellt.

Eine weitere Gefahr liegt im Missbrauch von traditionellen Praktiken, die von ihren ursprünglichen Traditionen abgetrennt wurden. Verschiedene Methoden der "Meditation" und des "Yoga" werden unterrichtet, die auch zur Selbst-Hypnose führen können, und die nicht selten die Seele dem Eindringen negativer Einflüsse offen lassen.

Die Psyche den externen Einflüssen zu öffnen, ist immer sehr gefährlich, denn es gibt in uns wie auch außerhalb von uns schlimme Kräfte, gegen welche die Psyche allein nur sehr schwache Abwehrmöglichkeiten besitzt.
(siehe: Yoga & New Age)
R G: Antitradition


Gegentradition und
Falsche Spiritualität

Antichrist

Einerseits ist es heutzutage so, dass sogar viele Vertreter der traditionellen Religionen die Grundlagen ihres Glaubens angreifen im Versuch, sie den Werten der modernen Welt anzupassen; mit dem Resultat, dass sie auf das gleiche Niveau wie andere Glaubenssysteme reduziert werden.

Andererseits gibt es auch eine Tendenz unter den Wissenschaftlern die autentischen Religionen als volkstümlich etablierte "Glaubenssysteme" abzutun, obwohl man dadurch nicht die Natur der wahren Religion erkennen wird.
see: siehe:R G: What is a religion?

Diese falsche Spiritualität ist eine "Spiritualität" die mehr dem Gefühl gegründet ist, als auf einem Prinzip. Es ist eine betrügerische Art von "Spiritualität" - in der Psyche begründet, statt im Geist. Dh. man versucht, im Bereich der Psyche nach Antworten zu suchen und nicht im (durch den) Geist, dessen Existenz ignoriert wird.

Des weiteren sind einige Religionen zu entmutigenden Ansammlungen von Klischees und Sentimentalitäten geworden, mehr mit sozialen Fragen beschäftigt als mit der Wahrheit.

Unsere modernen Theologen und religiöse Sprecher (verschiedener Religionen) sind nicht mehr vertrauenswürdig oder respektiert, denn auch sie, trotz Lippenbekenntnisse, sind Cartesianer.

edf:
Rama P. Coomaraswamy,
The Problems that result from locating Spirituality in the Psyche