“Wir werden ihnen unsere Zeichen sehen lassen an den Horizonten und in ihnen selber, damit (bis es) ihnen klar wird, daß es (die Offenbarung) die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, daß dein Herr über alles Zeuge ist?” Sura Fusilat (41) verse 53

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Islamischer Sufismus - Tasawwuf

Die Abteilung der Scharia, die von der Esoterik handelt oder den Zuständen des Herzens (a`mâl bâtinî ) heißt Tasawwuf und die Abteilung der Scharia, welche die Exoterik oder die physischen Handlungen (a`mâl zâhirî ) betrifft, heißt Fiqh.

Die ursprüngliche Bedeutung von Fiqh wird vom Imâm Abû Hanîfa wie folgt angeben:
"Zu erkennen was für die Seele (nafs ) heilsam [oder förderlich] ist und was für sie schädlich [oder abträglich] ist."

Tasawwuf handelt von der Verschönerung des Charakters (tahdhîb al-akhlâq ), und seine Absicht ist es, das göttliche Wohlgefallen (ridwân ) zu erlangen. Die Methode dieses göttliche Wohlgefallen zu erwerben, besteht im vollständigen Gehorsam gegenüber den Geboten der Scharia.


Der Glanz des irdischen Lebens

Die Menschen werden im allgemeinen vom Glanz des diesseitigen Lebens getäuscht und davon überwältigt, weil sie sich ihrer Wirklichkeit nicht bewusst sind. Würde ihnen die Wirklichkeit der Welt offenbar(t) werden, wären sie überaus enttäuscht und voller Abscheu. In einem edlen hadith heisst es: "Wäre der Wert der Welt - im Anblick Allahs - (auch nur) der eines Flügels einer Mücke, wäre keinem Irrgläubigen erlaubt worden, auch nur einen Schluck Wasser von dieser Welt zu trinken."
(Tirmidhi, Ibn Maja, Ahmad) PTP72


Die Notwendigkeit des Tasawwuf

Da nun klar geworden ist, daß der Tasawwuf der Religion [des Islam] nicht widerspricht, sondern daß er in der Tat eine der Abteilungen der Scharia ausmacht, wird jetzt auch seine Notwendigkeit ersichtlich.

Shaykh Ashraf `Ali Thânawî sagte folgendes dazu:
"Nach der Richtigstellung der Glaubensinhalte und der äusseren Handlungen, ist es für jeden Muslim obligatorisch (fard ), seine inneren (esoterischen) Handlungen in Ordnung zu bringen. Zahllose Verse des Korans und unsäglich viele Hadithe deuten ausdrücklich auf diese Pflicht (fardiyya ) hin. Da jedoch die meisten Menschen oberflächlicher Einsicht ganz ihren niederen Begierden unterliegen, sind sie dieser ihrer Pflicht gegenüber unachtsam, [nämlich die inneren (bâtin ) Zustände der Seele mit Allahs Hilfe in Ordnung zu bringen. Dies ist ein Gebot des Herren der Welt:]
91-10 91-10

{ Wahrlich, wer sie läutert wird Erfolg haben;
und wer sie in Verderbnis hinabsinken läßt, der wird zuschanden kommen. }
Sura 91-9/10

Wem ist nicht bewusst, daß der Koran und die Hadithe ausdrücklich die Bedeutung der Enthaltsamkeit (zuhd ), der Genügsamkeit (qanâ`a ), der Bescheidenheit (tawâdu` ), der Aufrichtigkeit (ikhlâs ), der ausdauernden Geduld (sabr ), der Dankbarkeit (shukr ), der Liebe zu Allah (hubb al-LLâh ), der Zufriedenheit mit dem [göttlichen] Ratschluß (ridâ bi'l-qadâ ), des Vertrauens (tawakkul), der Unterwerfung [unter den Willen Allahs] (taslîm ), usw. behandeln, während sie das Erlangen dieser edlen Eigenschaften hervorheben?

camelsWem ist nicht bewusst, daß der Koran und die Hadithe das Gegenteil der [oben genannten] edlen Eigenschaften verurteilen: die Liebe zur Welt (hubb al-dunyâ ), die Begehrlichkeit (hirs ), [die Anmassung und] der Hochmut (takabbur), die Augendienerei (riyâ ), die Sinneslust (shahwa ), der Zorn (ghadab ), der Neid (hasad ), usw. und deutlich davor warnen? Kann es noch Zweifel geben, daß die edlen Eigenschaften befohlen und die niederen Charakterzüge verboten wurden?
Das ist die eigentliche Bedeutung der Reform der esoterischen [dh. inneren Zustände und] Handlungen und das ist der primäre Sinn und Zweck des geistigen Weges (tarîqa ), und daß dies zwingend erforderlich ist (fard ), ist zweifelsohne eine verbürgte Tatsache." PTP18


Tasawwuf und Koran

Allah (swt) braucht nicht die Handlungen Seiner Schöpfung und Er befiehlt keine äusseren Handlungen unter Ausschluss der inneren Vorgänge. Stattdessen sind sowohl äussere (zâhirî ) Handlungen sowie innere (bâtinî ) Vorgänge und Pflichten im Koran befohlen worden.

camels"Alle echten Prinzipien des Tasawwuf sind im Koran und in den Hadithen enthalten, nur die eigenwilligen Sufis und die oberflächlichen Gelehrten meinen in ihrem Irrtum, daß dem nicht so sei." PTP18

Wenn zB. Allah Gebet und zakât [Armensteuer] anbefiehlt und Er sagt: { Verrichtet das Gebet und zahlet die Zakat.} Sure 2-43, befiehlt Er auch Dankbarkeit (shukr ), indem Er sagt: { Und danket Allah.} 2-172
Oder gleich nach dem Vers {Und wenn sie sich zum Gebet hinstellen, dann stehen sie nachlässig da.} Sure 4-142 kommt die implizite Warnung: {(Und) zeigen sich den Leuten.} Sure 4-142

Das gleiche gilt für die Hadithe (prophetische Traditionen). Genauso wie es in den hadith ausführliche Kapitel gibt über das Gebet, das Fasten, über den Handel, das Heiraten, usw, gibt es ebenso eingehende Kapitel über die Augendienerei (riyâ ), über den Hochmut (takabbur ), usw. Kein Muslim kann die Tatsache verneinen, dass geradeso wie die exoterischen Handlungen von Gott befohlen sind, so auch die esoterischen Zustände (orig: Handlungen).


Sünden und Gottesdienst?

camels"Die Schmerzen sind die Übel welche den Körper heimsuchen, und die Sünden sind die Übel welche die Herzen treffen.
Und ebenso wie der leidende Körper den Wohlgeschmack der Nahrung nicht mehr geniessen kann,
so findet das Herz nicht mehr den Wohlgeschmack des Gottesdienstes, wenn die Sünden es begleiten."
Dhû-l-Nûn
Ibn 'Arabi, La vie merveilleuse de Dhû-l-Nûn l'Égyptien,
(Das wunderbare Leben des Dhû-l-Nûn, des Ägypters)


Koran & Sunnah sind die Wurzeln der islamischen Tradition


Schwerwiegende Hindernisse auf dem Weg

Alle Sünden und Anbindungen außer jene an Allah (erhaben ist Er in Seiner Majestät) sind Räuber auf dem Pfad des Wegbeschreiters (sulûk ). Wenn er sich nicht von folgenden [schädlichen] Aspekten gewissenhaft enthält, werden seine Anstrengungen und Kämpfe vergeblich sein:
1.) Widerstand gegen die Sunna
2.) Versehentlich einem unreligiösen Führer folgen
3.) Frauen und Jungen [zu viel] Gesellschaft leisten
4.) Das Böse der Zunge [oder des "Keyboards"]
5.) Ausserordentliche spirituelle Übungen, die über die Anweisungen des Shaykhs hinausgehen.
6.) Ungeduld in Hinsicht auf die Erwartung der Ergebnisse des spirituellen Strebens
7.) Mängel einfliessen lassen in das Vertrauen und die Liebe zum Shaykh (dh spirituellen Meisters).

Was Tasawwuf nicht ist

camelsDie in der öffentlichkeit verbreitete Auffassung, Scharia und tariqa seien getrennte Gebilde, ist ganz und gar grundlos. Jetzt wo die Natur und die Wirklichkeit des Tasawwuf und suluk klar geworden sind [siehe oben], kann man leicht verstehen, dass Erleuchtungen (kashf ) und Wunder (karamât ) nicht notwendig sind. Er (Tasawwuf ) verspricht weder Erfolg in weltlichen Dingen, noch macht er geltend, durch die Verwendung von Amuletten (ta`wîdh ) und Tränken (im Arbeitsleben) leistungsfähig zu sein. Er verspricht weder grösseres Einkommen, noch Heilung von physischen Krankheiten und er sagt nicht die Zukunft voraus. Er behauptet nicht, eine Reform des Wegbeschreiters könnte durch die geistige Orientierung (tawajjuh ) auf den Scheich zustande kommen.

Ausserordentliche Kunststücke sind dem Tasawwuf naturgemäss fremd. Es wird weder behauptet, der Wegbeschreiter könnte der Heimgesuchung sündhafter Gedanken entgehen, noch dass er sich automatisch (mühelos) dem Dienst an Gott (`ibâdah ) verpflichtete. .. Weder verspricht er, die Erfahrung ekstatischer Zustände und geistigen Glanzes durch spirituelle Übungen (dhikr und shugl ), noch gibt er vor, man könne schöne Träume oder wunderbare Visionen erleben.

Nichts vom obigen sind Ziele des Tasawwuf, stattdessen ist sein Ziel, das Wohlgefallen (ridwân ) Allahs (erhaben sei Er) zu gewinnen. Und dies sollte man im Auge behalten. PTP22


Der geistige Kampf

camels Die Umgestaltung der inneren (esoterischen) Vorgänge (acts) führt allmählich zu geistigem Glanz und Licht im Herzen:

Allah spricht: {Und diejenigen, die in Unserer Sache bestrebt sind - Wir werden sie gewiß leiten auf Unseren Wegen.} Sure 29-69
Allah Gesandter MHMD sagte: Der mujâhid ist wer im Gehorsam gegenüber Allah strebt und sich bemüht (jihâd).
(Fudulâ' al-Kâmil in Bayhâqi)

Das Wesen des geistigen Kampfes (mujâhada ) besteht in gewohnheitsmässigen (geistigen) Übungen, [die darauf abzielen] der niederen Seele (nafs ) Widerstand zu leisten. Dh. es geht darum, die physischen, auf Geld bezogenen, egoistischen und profanen Begierden, Vergnügen und Vorlieben der niederen Seele aufzuhalten und zu kontrollieren, im Streben nach Gehorsam und dem Wohlgefallen Allahs (erhaben sei Er in Seiner Majestät). PTP36








The Path to Perfection

Dies waren (mit einer Ausnahme - siehe links unten) ein paar Ausschnitte aus folgendem Buch, das sehr viel bietet mit seinen 159 Seiten:


PTP: The Path to Perfection: An Edited Anthology of the Spiritual Teachings of Hakim

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Shaykh Masihullah Khan, a renowned student of the eminent Mawlana Ashraf 'Ali Thanawi, wrote Shari'at & Tasawwuf to pass on to future generations of Muslims the numerous benefits of his teacher's wisdom. The teachings gathered here are notes of admonition and encouragement written by a man who has walked the path to his Creator; and at their core, these teachings are sustenance for the ailing hearts and souls of our time.