Extremismus im Islam

“Wir werden ihnen unsere Zeichen sehen lassen an den Horizonten und in ihnen selber, damit (bis es) ihnen klar wird, daß es (die Offenbarung) die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, daß dein Herr über alles Zeuge ist?” Sura Fusilat (41) verse 53

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Über die Ursprünge des Extremismus im Islam

Leider ist der Extremismus Teil der menschlichen Geschichte und sich zu Exzessen hinleiten zu lassen, ist eine menschliche Schwäche. Der Islam wurde den Menschen gegeben, um den Weg der goldenen Mitte zu illuminieren und zu ihm aufzurufen. So kann in jeder Epoche eine Gemeinschaft des mittleren Weges heranwachsen:
{ Und so machten Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte (ummat wasat ), damit ihr Zeugen seid gegenüber den Menschen, und der Gesandte Zeuge gegenüber euch. } Sura 2-143, Dennoch leiden immer auch eine Anzahl Muslime unter dem Extremismus - sei es passiv als Opfer oder aktiv als Handelnde (möge Allah uns alle rechtleiten!). Es sieht so aus als ob extreme Handlungsweisen in letzter Zeit zugenommen hätten.

Zum Beispiel hat es das Phänomen der abscheulichen "Selbstmordattentate" im Islam bis zum Jahr 1983 nicht gegeben. Dieses Phänomen ist eine tadelnswerte Innovation (bid`atun madhûma), und wird klar und deutlich von unserer edlen Religion abgelehnt. Man kann jedoch selten mit Sicherheit sagen, wer hinter diesen hinterlistigen, verbrecherischen Anschlägen streckt. Aber es sind jedenfalls nicht die Freunde des Islam und der Muslime.

Es gab jedoch fast von Anfang des Islam an eine Art von Extremismus (ghulluw ), der bei den Kharijiterna zu Tage trat. Sie waren es, die gegen den legitimen Kalifen Ali (karram-Allahu wajhah ) kämpften. Alle Extremisten (ghulât ) haben gemeinsam, dass sie in (zumindest) einem wesentlichen Punkt die Gemeinschaft des mittleren Weges (ummat wasat ) verlassen - den Weg der durch das prophetische Beispiel (Sunnah ) geformt worden ist. Sie tun dies indem sie sich von ihren eigenen engen, binären Schrulligkeiten leiten lassen, aber "halbes Wissen" ist schlimmer als gar kein Wissen!


Unsere Aufgabe was den Extremismus betrifft

Für uns Muslime gilt ein Mass, das uns der Prophet Muhammad MHMD (sallAllahu alayhi wasallam) anvertraut hat:
"Die beliebteste Religion Allahs (swt ) ist die des toleranten Hanifiya."
(das heißt, allein Allah zu bezeugen, und keine illusionären Realitäten außer Ihn anzuerkennen.)
ahabbu- ddîni ila-LLâhi al-.hanîfiyyatu-s sam.hah
(Berichtet von al-Bukhari, (I), Buch 2, Kapitel 30)

Zum Beispiel zeigte er uns für alle Zukunft, wie Kriege geführt werden sollen:
Ibn `Abbas erzählt, daß der Gesandte Allahs MHMD sagte, als er seine Truppen abschickte: "Handelt nicht tückisch, veruntreut nicht die Kriegbeute, verstümmelnt nicht [diejenigen, die ihr getötet habt], tötet keine Kinder, oder Menschen in Klöstern."
(Berichtet von Ahmad, al Tirmidhi, Hasan Sahih)
Das könnte deutlicher nicht gesagt werden.

Allah warnt uns Menschen wie auch uns Muslime:
{ Und tötet niemand, den (zu töten) Allah verboten hat, ausser gemäss dem Recht... }
Sura Al-Isra' - die nächtliche Reise, 17:33

Daher ist es wichtig die Ursprünge des Extremismus zu kennen, wo er - durch die Einführung fremder und falsche Elemente (bid`a ) - von der Lehre und Tradition des Islam abgewichen ist.

Die Werkzeuge, die uns helfen dem Fanatismus und Extremismus zu widerstehen sind in der islamischen Tradition der Ahl Sunnah wa Jama `a zu finden. Es sind die intelligenten und frommen muslimischen Intellektuelle, die Antworten auf die Herausforderungen der Moderne finden, wobei sie natürlich im Rahmen des Islam tätig sind. Der Islam hat eine lange Tradition der Erneuerung (tajdîd ) und Reform (Islâh ), die sich auf interne Quellen stützen. Die Muslime sind sich dessen bewußt, daß:

der traditionelle Islam die Aufgabe hat, den Menschen zu zeigen, wie sie hier und jetzt in Harmonie mit Allahs Willen leben können, während der militante und extremistische Islamismus das Ziel der Schaffung einer neuen politischen und sozialen Ordnung hat, mit zT. wenig Rücksicht auf die Mittel.


Was tun?

Zunächst muss die politische Ideologie und Rhetorik des militanten Islamismus delegitimisiert werden.
Man tut dies, indem man aufdeckt, wo sie von den wahren Lehren des Islam abweicht, indem man ihre quasi-marxistische Perspektive widerlegt und ihren Missbrauch der islamischen Quellen aufzeigt.

“In einigen muslimischen Ländern fängt man an, mit den Extremisten klar zu kommen und das vor allem mit einer Metode: Man bringt ihnen bei, wovon der Islam handelt. Schon sind tausende von ihnen "von den Bergen herruntergekommen" und in die normale Gesellschaft zurückgekehrt. Es funktioniert. Wenn die Jugendlichen, die den Verlockungen und den verdrehten Vorstellungen des Islam ihrer Führer zum Opfer gefallen sind, richtigen islamischen Gelehrten begegnen und auf ihre Argumente hören, werden sie die radikalen Gewaltlösungen aufgeben.” Imam Abd Al Haqq Kielan


Sayyid Qutbs Einfluss

Die Ideen des S. Qutb, die durch seine Texte verbreitet wurden und die immer noch bei vielen jungen Muslimen Anklang finden, müssen genauestens geprüft werden. Es geht dabei um Fragen wie Muslime in einem Staat leben können, der keine Shari`a-Gesetze erlässt und wie (oder ob) sie die Macht in einem Land ergreifen sollen. Es geht dabei um Ideen des revolutionären Kampfes, um die Frage in wie weit zu den Waffen gegriffen werden soll usw, es geht um geheime Clubs und das Anstacheln von Revolten. Oder es geht um Fragen, wer ein Kafir, oder was heute Jahiliyya ist, usw.

Es ist kein Geheimnis, daß in den 50er bis in die 70er Jahre (und noch heute) Befreiungsbewegungen in muslimischen Ländern marxistisch-leninistischen Theorien annahmen und diese mehr oder weniger frei mit dem Islam vermischten.
Allgemein gesagt, gilt natürlich das Recht auf Selbstverteidigung und des jihâd, aber es muß im Einklang mit dem islamischen Recht stehen.

Arabic Pattern
Die Wurzeln der islamischen Tradition sind Koran & Sunnah


Einige Thesen der revolutionären der Modernisten

- Maududi, der von S Qutb inspiriert war, nannte alle Nicht-Muslime "Barbaren" und meinte, daß es das Ziel des Islam sei, "eine Welt-Revolution zu starten."
- S Qutb war der Auffassung, die ganze Menschheit sei abtrünnig, daß die muslimische Umma nicht mehr existiere, und daß der Tawhid (das islamische Einheitsbekenntnis) zeitgenössischer Muslime hinfällig wäre!
- Er rechtfertigte die revolutionäre Gewalt der Massen im Namen der Religion.



Notwendig ist eine gründliche Selbstsuche und die Kenntnis der islamischen Tradition

Eine gründliche Selbstsuche und Selbstprüfung was die Gründe des Extremismus und Terrorismus betreffen ist besonders wichtig für all jene, die – wie sie selbst sagen – den Islam "von dessen Verfallserscheiningen reinigen wollen," was aber ein unglücklicher weil falscher Ausdruck ist, denn es ist ja nicht der Islam, der gereinigt werden soll, sondern diejenigen, die ihn bloß benutzen wollen.

Ja, wir wollen unvoreingenommen das Wissen suchen, indem wir uns darauf vorbereiten. Es ist wichtig für alle Menschen und für die Muslime ist es darüber hinaus eine religiöse Pflicht.
Dies bedeutet unter anderem, bei den Gelehrten zu sitzen, am besten bei mehreren, wie dies unsere großen Vorgänger zu tun pflegten und bei ihnen so viel Wissen wie nur möglich zu absorbieren.

Was jedoch Extremismus und Rachsucht anbelangt, so müssen solches in unseren Herzen ganz ablehnen.

Wir sind unschuldig, was im Namen des Islam geschieht.
Wir lehnen solche Verbrechen ab und weisen Straftaten, die im Namen des Islam geschehen, entschieden zurück.

Es handelt sich hierbei um einen Missbrauch und Angriff auf die Religion des Islam, der in den Herzen der Menschen zu einem aufkeimenden Hass auf die höheren Wahrheiten führen kann. Dennoch sind dies Wahrheiten, die uns Menschen vom Herrn der Welten offenbart wurden. (S.H.Y.)


iyyakum ghulluwun fi-d dîn
Hütet euch vor Extremismus in der Religion!

Hadith von Profet Muhammad durood



Möge Allah dieser Gemeinschaft (Umma ) Ruhe gewähren vor extremen und engstirnigen Menschen!

Allahs Segen und Friede seien mit Sayyiduna Muhammad, seiner Familie und seinen Gefährten.




Ein längeren Artikel gibt es hier:
living islam : islamic tradition