“Wir werden ihnen unsere Zeichen sehen lassen an den Horizonten und in ihnen selber, damit (bis es) ihnen klar wird, daß es (die Offenbarung) die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, daß dein Herr über alles Zeuge ist?” Sura Fusilat (41) verse 53

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Angesichts der Herausforderung unserer Zeit *

Nichts auf dieser Welt scheint noch der Krise entgehen zu können, welche die modernen Welt erschüttert. Es reicht nicht mehr nur von einer Zivilisationskrise zu sprechen, denn dieses Phänomen hat bereits kosmische Dimensionen angenommen und eine unheilverkündende Beklommenheit breitet sich aus.

Der Islam wurde dem Menschen in der Endphase der Weltgeschichte verliehen, um ihm zu helfen, sich nicht selbst darin zu verlieren. Dh. mit der letzten Offenbarung des prophetischen Zyklus dem aktuellen Chaos zu widerstehen und in uns selbst Ordnung und Klarheit wiederherzustellen, sowie die Harmonie in den zwischenmenschlichen Beziehungeno, und das hohe Ziel zu verwirklichen, zu dem uns der Schöpfer aufruft.


Der moderne Geist

Der Islam richtet sich an den Menschen, vom dem er ein profundes, präzises Wissen besitzt, indem er seine Position in der Schöpfung und vor Gott genau einordnet.

Das moderne Denken dagegen besitzt keine definitive, allgemein akzeptierte Vorstellung vom Menschen. Zwar verfügt sie über eine Vielzahl verschiedener Konzepte, aber in seiner Verwirrung und seinen Meinungs-verschiedenheiten, beweist es seine Unfähigkeit, eine einheitliche Definition der conditio humana (des menschlichen Zustandes) geben zu können. In keiner anderen Kultur hat man so vollständig und systematisch die Frage ignoriert, warum wir geboren wurden, warum wir leben und warum wir sterben.


Das Paradox der modernen Zivilisation

Das ist das Paradox dieser Zivilisation, die sich anfangs "humanistisch" gab, als sie den Menschen zum Prinzip und Zweck aller Dinge machte: dieser Begriff des Menschen hat inzwischen bankrott gemacht. Der Evolutionismus hat aus ihm einen perfektionierten Affen gemacht und die Philosophie des Absurden nahm ihm das wenige an Kohärenz, das ihm noch verblieben war.

Absurd weil das Leben auf der Erde seinen Sinn verloren hat. ... Es bietet dem Menschen eine Vielzahl von Möglichkeiten und materiellen Vorteilen, von denen frühere Generationen nicht hätten träumen können. Da man aber nicht weiß, was der Mensch wirklich ist und was seine tiefsten Sehnsüchte ausmachen, können all diese "Wunder" nicht verhindern, daß er (früher oder später) in Verzweiflung versinkt.


Die moderne Zivilisation

Dennoch hatte die Französische Revolution die Erklärung der Menschenrechte angenommen und die Verfassung der Vereinigten Staaten sollte jedem Bürger das "Streben nach Glück" garantieren. Das 19. Jahrhundert liess in allen westlichen Ländern und auch darüber hinaus die große Idee des Fortschritts glaubigwürdig erscheinen, wonach das goldene Zeitalter nicht hinter uns, sondern vor uns läge.

Lange schienen die Fakten diese Auffassungen zu bestätigen. Die materiellen Bedingungen der unteren Schichten haben sich in den westlichen Gesellschaften erheblich verbessert, die Ausübung der Grundfreiheiten wurde allen garantiert, die Wissenschaft hat dem modernen Menschen das Gefühl gegeben, unvergleichlich besser unterrichtet zu sein, als selbst die Weisen früherer Generationen, und die technische Entwicklung hat ihm die Instrumente einer bisher ungeahnten Macht auferlegt.
Andererseits wurde den Menschen versprochen, sie könnten sich "verwirklichen" - wenn sie sich allen Zwängen entzögen und ihren Neigungen foltgen. Das wurde für viele ein Vorwand, die von der Vergangenheit geerbte Moral (zB. in Fragen der Sexualität) abzuschaffen und sie nur mehr als einen Haufen überholter Vorurteile zu betrachten.

So glaubt der moderne Mensch "erwachsen" geworden zu sein, womit er meint, die Generationen früherer Zeiten seien infantil gewesen und dabei fehlt es nicht an Philosophen und Theologen, die ihn in dieser Meinung bestätigen.

Aber die Tatsachen haben schließlich diese Theorien auf deutlichste widersprochen.


Koran & Sunnah sind die Wurzeln der islamischen Tradition


Der Umsturz der sittlichen und psychischen Ordnung

Die gesellschaftlichen Veränderungen sind nur ein Aspekt dieser Entwicklung. Sie werden von einer Subversion der moralischen und psychischen Ordnung begleitet, die vorgibt, "Vorurteile" und den "autoritären" Geist beseitigen, die angeblich den Menschen daran hindern, seine volle Befreiung und sein Glück zu erlangen.

Die Wirklichkeit, die man vor allem bei Jugendlichen mit "anti-autoritären" Ideen feststellen kann, ist bezeichnend: Nach übereinstimmenden Aussagen, steigt die Zahl der Neurosen, der Zerrütteten und Süchtigen immer weiter an, ebenso wie die Zahl jener, die sich blind ideologischen Systemen und Führern unterwerfen, welche zum Gegenteil der Freiheit führen.

Diese Zivilisation, die vorgab "humanistisch" zu sein, führte so zu einem System, das den Menschen gleichzeitig verachtet und betrügt, um ihn schließlich zu zerstören. Sie verachtet ihn, da sie ihn auf ein schlicht materielles und Konsumniveau reduziert; und sie betrügt ihn, weil sie ihm glauben macht, er könne dank des Fortschritts und der Wissenschaft zu einer besseren sozialen Ordnung gelangen und zur Befreiung von letzten "Vorurteilen" und ererbten Zwängen. Sie gaukelt ihm vor, es könnte ihm gelingen, das Glück zu erjagen und das Leiden zu besiegen. Letzteres ist jedoch ein wesentliches Merkmal des menschlichen Lebens. Schließlich zerstört sie ihn, indem sie ihn korrumpiert und desintegriert, und indem sie seinem Leben Sinn und Hoffnung nimmt.


Der menschliche Zustand

tower of babel Die modernen Ideologien, die zunehmend vom Geist der Negation und des Nihilismus angegriffen werden, verlieren immer mehr an Glaubwürdigkeit, da sie unfähig sind, die wichtigsten Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Grund unserer Anwesenheit hier auf Erden zu beantworten.

Sie sind eitel und unwirksam, da sie nicht wissen, dass der Mensch zu guter Letzt durch das Absolute definiert wird und dass er im Grunde seines selbst - bewusst oder unbewusst - nichts anderes sucht als eben dies.

Er birgt in sich ein wesentliches und zentrales Streben zur Transzendenz [dh. der Intellekt] und wird deshalb nie seine Existenzberechtigung und Erfüllung auf einer bloss horizontalen, erdlichen Ebene finden können.

Er empfindet, im Unterschied zu anderen Geschöpfen, das grundlegende Bedürfnis, sich selbst zu übertreffen und das Absolute zu erforschen, doch ist er hier allein in der Lage Es zu begreifen.

Deshalb wird ihn alles Relative, das man ihm in noch so großer Fülle erbietet, doch seinem (spirituellen) Hunger überlassen oder es wird schließlich mit einem bitteren Nachgeschmack enden.


Le livre: DecouverteAuszug aus dem ersten Kapitel:
Découverte de l'Islam; Roger Du Pasquier
&
Fortsetzung des Textes:
Découverte de l'Islam