Living Islam - Islamic Tradition

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20190207


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Auszug


Imam Ahmad Schekeb Popal: „Respekt ist eine Frage der Kultur – nicht der Religion“

29.09.18

Imam Ahmad Schekeb Popal im Gepräch mit Hallo München

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Wie wird das Tragen eines Kopftuchs denn im Koran begründet?

Es heißt, dass die Frau ihre Schönheit, die einen Reiz ausstrahlt, bedecken soll. Die Interpretation dessen sieht unterschiedlich aus, denken Sie nur mal an die kunstvollen bunten Tücher der Afrikanerinnen.

Der Koran wurde ja in einem Zeitraum von 23 Jahren offenbart. Für jeden Vers gab es einen Anlass, eine Geschichte. Zu dieser Zeit wurden Frauen oft angegriffen, es gab Übergriffe – und der Islam hat diese Realität erkannt.


Ist das Kopftuch noch zeitgemäß?

Ich sage nur MeToo. Auch heute noch passieren Frauen Dinge, die einfach nicht sein dürfen. Daher gilt es partriachale Strukturen abzuschaffen. Frauen sind sowieso viel schlauer als wir Männer, das ist längst bewiesen.



Wie stehen Sie zur Vollverschleierung?

Ich habe das Gefühl, dass es eine Provokation ist. Sich zu bedecken, bedeutet nicht, dass man sich einer Gefahr aussetzen muss, dass man anderen Leuten Angst machen soll. Ich sehe die Vollverschleierung problematisch.


Man hört immer wieder, die Scharia sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Was ist die Scharia genau?

Die Scharia ist die Quelle des Lebens beziehungsweise des Wassers. Sie erklärt, was wir tun müssen, um zu (über-)leben. Sie erklärt, wie man aufstehen soll, wie man sich in der Arbeit benehmen soll, ob man ein Glas Wasser trinken muss, wie man in einer Trauerphase mit sich selbst klar kommt. Die Scharia ist ein schwammiger Begriff, weil Scharia alles ist. Dass ich das Grundgesetz achte ist Scharia.



Welche persönlichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich würde gerne noch meinen Doktor in Islamologie machen … Als Imam verdiene ich kein Geld und das ist auch gut so. Ich möchte nicht abhängig von einer Gemeinde sein - denn wer zahlt, der bestimmt. Früher, in der Zeit vor Napoleon waren Imame nicht nur Imame. Diese Tradition möchte ich lebendig erhalten.


Der Islam als Gefahr?


Hamideh Mohagheghi unterrichtet islamische Theologie an der Universität Paderborn.

„Es gibt Gemeinden, bei denen man den Eindruck bekommt, sie sind hier noch nicht angekommen. Wenn man in einem anderen Land lebt, muss man sich an die dortigen Gesetze anpassen.“ Gleichzeitig warnt sie davor, islamische Gemeinden unter einen Generalverdacht zu stellen. „Eine Beobachtung finde ich nur richtig, wenn sie begründet ist.“

Denn Muslime sind oft mit Vorurteilen und falschen Vorstellungen konfrontiert. „Den Begriff Scharia beziehen viele nur auf die Verbote und strengen Strafen für moralische Vergehen, doch eigentlich steht er für die religiöse Lebensweise an sich.“ Diese Grundsätze seien wandelbar, jeder Imam befasse sich damit und entwickle eine eigene Sichtweise. „Diese zu befolgen, ist kein Punktesystem, um für das Leben nach dem Tod zu sammeln.“


Mohagheghi ist gegen gesetzliche Regelungen wie ein Verbot des Kopftuchs. Entscheidend sei, ob eine Frau freiwillig Kopftuch trage. „Man darf die Gläubigkeit einer Frau nicht an einem Stück Stoff festmachen.“ Trotzdem sollte auch die Entscheidung für ein Kopftuch respektiert werden.


Tag der Offenen Moschee in München


In vielen Moscheen … findet der Tag der offenen Moschee (www.tagderoffenenmoschee.de) statt.



hallo-muenchen.de